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Heilig-Geist-Gymnasium, Broichweiden / Würselen

Kompetenzen fördern - Leistung fordern - Persönlichkeit formen - Glauben leben. Das sind die Säulen des Heilig-Geist-Gymnasium in Broichweiden / Würselen.

Auf der Grundlage des christlich-spiritanischen Welt- und Menschenbildes erhalten die Schülerinnen und Schüler ganzheitliche und exzellente Bildung und Erziehung.

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Impuls zum zweiten Fastensonntag 2021: „Perspektivenwechsel“

„Aus dem Wüstental der Versuchung hinauf auf dem Berg der Verklärung!“ So können wir als Überschrift über den zweiten Sonntag der Fastenzeit im Pandemie-Jahr 2021 schreiben. Das klingt einerseits nach einer „steilen Karriere“, andererseits aber auch und vielleicht sogar vor allem nach einem mühsamen, steilen und anstrengenden Weg, heraus aus der Tiefe, aus einem Loch, in die Höhe, in die Zukunft. Solche mühsamen Wege kennen wir alle aus unserem eigenen Leben.

Pater Michael Wegner, CSSp

Pater Michael Wegner, CSSp

Das Evangelium von der Verklärung Jesu, das wir heute hören (Mk 9,2-10), will uns Helfer und Begleiter auf diesen Wegen sein. „Verklärung“ bedeutet ja nichts anderes als „Veränderung der Sichtweise – des Blickwinkels“. Und genau dazu lädt uns auch die Fastenzeit ein.

Das Evangelium bringt einen radikalen Ortswechsel: aus der Tiefe der Wüste, wo Jesus Klärung für seinen Weg und seine Berufung suchte, hinauf auf die Höhe eines Berges. Hier oben finden wir uns mit den drei Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes wieder und mit ihnen werden wir Zeugen eines spektakulären, eines merkwürdigen Ereignisses: Vor ihren – vor unseren Augen wird Jesus verwandelt. Er erscheint in einem ganz anderen Licht. „Seine Kleider wurden strahlend weiß!“

Jesus erscheint seinen Jüngern im Licht Gottes. Dabei kommen sie mitten aus dem Alltag – und zwar aus dem Alltag in seiner brutalsten Form. Unmittelbar vor der Verklärung Jesu berichtet der Evangelist Markus davon, dass Jesus leiden und getötet werden wird und dass auch die, die ihm nachfolgen, Verfolgung erleiden werden. Ganz schön düstere Aussichten also.

Doch mitten hinein in diese Dunkelheit und Bedrängnis geschieht unvermutet das Positive: Die Jünger steigen mit Jesus auf den Berg, sie werden herausgerissen aus dem Alltag und sehen Jesus in einem anderen Licht. Der Schatten des Schreckens und des Todes ist weg! Das Licht der Herrlichkeit Gottes erstrahlt vor ihren Augen und verändert ihre Perspektive. Genau so will die Verklärung, will Jesus auch unsere Perspektive, unsere Sichtweise auf unser eigenes Leben verändern – im positiven Sinne.

Ich möchte Sie einladen, die Verklärung, die Verwandlung Jesu einmal aus ganz unter-schiedlichen Perspektiven zu betrachten: einmal aus der Perspektive Jesu, dann aus der Sicht des Petrus und seiner Begleiter und schließlich auch aus unserer eigenen Sicht.

Betrachten wir die Ereignisse zunächst aus der Sicht Jesu. Er zieht sich auf den Berg zurück, will sich mit Gott, seinem Vater, absprechen, beratschlagen. Scheinbar hat er noch Klärungsbedarf. Er muss sich darüber klar werden, ob er den Weg Gottes weitergeht, der immer steiniger, steiler und jetzt sogar lebensgefährlich wird.

Während Jesus betet, geht ihm ein Licht auf. Mose und Elija kommen ihm vor Augen. Beide sind große Persönlichkeiten des jüdischen Volkes. Mose, der in Zusammenarbeit mit Gott das Volk aus der ägyptischen Sklaverei herausgeführt hat. Und Elija, der das Volk auf den einen Gott hingewiesen hat, es aufrief, diesem Gott treu zu sein. Beide haben den Weg Gottes gewählt und durchgehalten. Und das war zum Nutzen der Menschen. Jesus erkennt: Nur dann wird seine Botschaft, die Botschaft Gottes, glaubwürdig sein, wenn er diesen Weg weitergeht, auch wenn schwere Stunden vor ihm liegen, ja wenn der Tod am Kreuz auf ihn wartet. Durchhalten ist angesagt!

Wechseln wir die Perspektive und betrachten wir das Geschehen aus der Sicht des Petrus und seiner Begleiter. Denen ist nicht ganz wohl. Zu oft spricht Jesus von seinem bevorstehenden Tod. Auch von der Auferstehung hat er schon etwas gesagt, aber da haben sie nicht so ganz verstanden. Überhaupt wirft Jesus alte Gewohnheiten über Bord: Frauen haben bei ihm etwas zu sagen. Mit Sündern, mit Aussätzigen, mit Wahnsinnigen gibt er sich ab. Er hat keine Berührungsängste. Er macht sich stark für die Menschen, die sich selbst nicht helfen können. Er tritt für Menschen ein, die sonst nur getreten werden. Hoffentlich wird das gut gehen! Diese Gedanken gehen ihnen durch den Kopf.

Und dann geht auch ihnen ein Licht auf: Dieser Jesus redet und handelt wie Mose und Elija. Petrus sieht Mose und Elija gleichsam neben Jesus stehen. Und er erkennt: Dieser Jesus ist mehr als ein Volksheld, er ist der Sohn Gottes! Aber dann wird es finster und alles ist wieder so, als ob nichts gewesen wäre. Das Licht der Verklärung gab den drei Aposteln zwar Hoffnung, aber die Bewährungsprobe ist noch lange nicht bestanden.

Aus welcher Perspektive dürfen wir das Geschehen der Verklärung Jesu sehen? Was dürfen wir für uns und für unser Leben, - zumindest für diese Fastenzeit - mit nach Hause nehmen? Dunkle Stunden, Sinnkrisen, die kennen wir. Die erfahren wir, wenn wir z.B. vor einer wichtigen Entscheidung stehen, wenn unvorhergesehene Dinge passieren, die wir nicht verstehen können, oder auch wenn wir schwere Zeiten und Krisen wie z.B. die Corona-Pandemie durchleben und bestehen müssen. All das ist brutaler Alltag, der uns bisweilen ganz schön aus der Bahn werfen kann.

Jesus zeigt uns einen Weg, mit diesen Situationen umzugehen. Dieser Weg heißt: sich zurückziehen, Stille suchen, mit Gott reden, streiten, verhandeln, einfach beten. Jesus entdeckt im Gespräch mit Gott, dass er der Sohn Gottes und auf seinem Weg nicht alleine ist. Uns darf im Gebet aufgehen, wie wertvoll wir in den Augen Gottes sind, wie zutiefst angenommen und geliebt wir sind.

Jesus sagt uns: Geht auf den Berg! Auch innerlich. Nehmt Abstand vom Durcheinander und Kleinkram eures Lebens, damit ich euch begegnen kann. Ich will euch meine Gegenwart, meine Liebe und Nähe spüren lassen. Ich will zu euch sprechen, euch meine Weisung mitgeben und euch die Augen öffnen für eine neue Perspektive eures Lebens.

Der heilige Augustinus fasst die Erkenntnis, die wir aus der Frohen Botschaft des zweiten Fastensonntages gewinnen können, so zusammen: „Was für die Augen des Leibes die Sonne ist, die wir sehen, ist Christus für die Augen des Herzens.“

P. Michael Wegner CSSp.

Impuls zum zweiten Fastensonntag 2021 : "Perspektivenwechsel"


28.02.2021

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